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Ein Wiedersehen mit dem kleinen Vampir

Die Animationsneuverfilmung der Romanreihe "Der kleine Vampir"

"Schon wieder Geburtstag? Wie langweilig!" – während andere Kinder in seinem Alter wochenlang auf ihren Ehrentag hin fiebern, ist Rüdiger von Schlotterstein so gar nicht nach Feiern zumute. Er wird 13 und das zum 300. Mal, denn Rüdiger ist ein Vampir. Genauer gesagt, er ist DER KLEINE VAMPIR, der jetzt in einer animierten Neuversion auf die Kinoleinwand zurückkommt. Der Film beginnt mitten in den Vorbereitungen einer Geburtstagsfeier für Rüdiger, zu der seine strengen Eltern Hildegard und Ludwig von Schlotterstein alle Verwandten aus nah und fern einladen. Kurz bevor die Party steigt, sorgt jedoch Lumpi, Rüdigers älterer Bruder, für Aufsehen, als er sich dem Verbot seiner Eltern widersetzt und heimlich – gefolgt von Rüdiger – die Familiengruft für einen nächtlichen Rundflug verlässt. Unglücklicherweise wird er kurz darauf von den fiesen Vampirjägern Geiermeier und dessen Assistenten Manni entdeckt und durch einen UV-Strahl außer Gefecht gesetzt. Nun ist es an Rüdiger, seinen verletzten Bruder schnell nach Hause zu bringen, auch wenn das bedeutet, dass Geiermeier und Manni ihnen folgen. In der Gruft angekommen warnen die beiden Jungvampire ihre Familie vor der sich nähernden Gefahr. Sie beschließen zu fliehen, doch nur Rüdiger schafft es, zusammen mit seiner kleinen Schwester Anna und den Eltern rechtzeitig, die Gruft zu verlassen während der Rest des Clans von Geiermeier eingesperrt wird. Zeitgleich erreicht der ebenfalls 13-jährige sterbliche Anton Bohnsack gemeinsam mit seinen Eltern Helga und Anton Senior die Herberge von Emma und Otto im Schwarzwald, wo sie ihre Ferien verbringen und eine Gruselburg besichtigen wollen. Anton ist ein großer Vampirfan und berichtet seinen Eltern noch im Auto davon, gerade zwei echte Exemplare – Rüdigers Tante und Onkel – gesehen zu haben. Die Eltern sind die Fantasien ihres Sohnes gewohnt, doch als Anton in der Herberge Knoblauch und Kreuze an der Wand entdeckt, ist er sich sicher, dass er nicht geträumt hat. Wie es der Zufall will, findet Rüdigers Familie zu dieser Stunde Zuflucht bei Tante und Onkel im Schwarzwald. Schon bald treffen die beiden ungleichen Jungen aufeinander und freunden sich trotz anfänglicher Vorurteile und Misstrauen an. Werden es die beiden Jungen gemeinsam mit Anna schaffen, die Sippe zu befreien und den Vampirjägern ein für alle Mal das Handwerk zu legen?

Der Animationsfilm DER KLEINE VAMPIR ermöglicht ein erneutes Wiedersehen mit den beliebten Figuren aus der gleichnamigen Romanreihe von Angela Sommer-Bodenburg. Wie in der Vorlage sind auch die Filmfiguren liebevoll gezeichnet und bieten dadurch ein hohes Identifikationspotenzial für ihre jungen Zuschauerinnen und Zuschauer. Besonders im sturen Teenie-Vampir Lumpi, der anhänglichen kleinen Schwester Anna oder Rüdiger, der keine Lust auf eine weitere langweilige Familienfeier hat, lassen sich leicht Parallelen zum eigenen Leben erkennen. Aber auch die erwachsenen Figuren, allen voran der böse Geiermann, sind außergewöhnlich individuell und realistisch mit vielen äußerlichen Merkmalen animiert, sodass auch Eltern über das gängige Klischee-Duo des Kinderfilms – unerschütterlicher Fiesling und trotteliger Assistent – hinwegsehen können. Aus pädagogischer Sicht ist der Film schon deshalb wertvoll, weil er auf angenehme und unterhaltsame Weise vermittelt, wie wichtig Freundschaft ist. Die Freundschaft zwischen Rüdiger und Anton kennt keine Grenzen und setzt sich auch über die gegenseitigen Vorurteile hinweg, die beide von ihren Eltern aus Sorge vermittelt bekommen. Stattdessen ergänzen sich der Vampir und der Sterbliche perfekt, wenn Anton Rüdiger vor der Sonne schützt und Rüdiger ihm im Gegenzug beim Fliegen hilft. Die romantisch veranlagte Anna verzaubert Anton zu Beginn zwar noch, sodass er sich in sie verliebt. Am Ende werden die beiden aber auch ohne Zaubertricks Freunde. Daneben besticht DER KLEINE VAMPIR durch seinen leichten und ungezwungenen Umgang mit Wortspielereien, Situationskomik und der Freude am Unerwarteten. Auch Erwachsene werden schmunzeln, wenn Emma und Otto nahezu lupenreines Alemannisch, den Schwarzwälder Dialekt, sprechen oder als Überraschungseffekt zu Beginn die Frage geklärt wird, was passiert, wenn ein Vampir das Blut einer Kuh trinkt. In Anbetracht der rund 40 Jahre alten Romanvorlage wurden zudem einige Neuerungen eingebaut, die die Nähe zum Alltag der jungen Rezipientinnen und Rezipienten erhalten. So fragt der 313-jährige Rüdiger seinen Freund Anton nun verwirrt, warum um alles in der Welt er denn "cool" sei, wo er doch gar nicht friere, und seine kleine Schwester kombiniert ihren antiken Rock mit einem schicken Nietengürtel. Alles in allem halten sich die Neuerungen aber in Grenzen, sodass der ursprüngliche Charme der Vorlage erhalten bleibt.

DER KLEINE VAMPIR bietet somit in knapp anderthalb Stunden einen unterhaltsamen Film über Freundschaft entgegen aller Vorurteile für Jung und Alt. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Autorin Angela Sommer-Bodenburg gelingt es den Macherinnen und Machern, eine an die Sehgewohnheiten der heutigen Kinder angepasste Neuverfilmung zu erschaffen, die gleichzeitig an den wesentlichen Charakterzügen der Romanvorlage und seiner Figuren festhält.

Kinostart ist am 26. Oktober 2017.

Bildmaterial: Universum Film GmbH

Elisa Eberle war Praktikantin bei merz | medien + erziehung. Sie studiert derzeit den Masterstudiengang Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
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