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aus dem Heft: 2017/01: Neue Gendermedienwelten?!
in der Rubrik: aktuell

Günther Anfang: nachruf Hans Strobel

Das Kinderkino in Deutschland wäre ohne Hans Strobel nicht das, was es heute ist. Als Vater des modernen Kinderkinos war Hans Strobel nicht nur bundesweit bekannt und hoch geschätzt, sondern auch in ganz Europa und in der Welt in Sachen Kinderfilm unterwegs. Und als engagierter Vertreter und Lobbyist der Kinderfilmarbeit setzte er seine Leidenschaft auch gleich in die Praxis um und gründete zusammen mit seiner Frau Christel 1979 das Kinderkino München im Forum 2 im Olympiadorf. Schon damals zeigte er auf, welches Potenzial im Kinderkino für die medienpädagogische Arbeit steckt. Er entdeckte spannende und kindgerechte Filme vor allem in den Ostblockländern, die er nach Deutschland brachte, da bei uns der Kinderfilm eher ein Schattendasein führte. Aber auch deutschen Kinderfilmen galt seine Leidenschaft, wie beispielsweise Nordsee ist Mordsee von Hark Bohm, den er immer wieder als beispielhaften Kinderfilm für die verschiedensten Anlässe anpries. Ein absoluter Lieblingsfilm vom ihm war The Kid von Charles Chaplin – und natürlich die vielen Entdeckungen, die er im tschechischen Kinderkino machte. All diese Erfahrungen versammelte er in seiner einzigartigen Handreichung zur Kinderfilmarbeit Erlebnis Kinderkino – Theorie und Praxis der Kinderfilmarbeit, die noch heute ein Standardwert der rezeptiven Medienarbeit ist. Doch nicht nur die Kinderfilmarbeit war ihm wichtig, er setzte sich generell für die Arbeit mit dem Medium Film ein und betreute am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis – welches damals noch Institut Jugend Film Fernsehen hieß – über viele Jahre hinweg die Spielfilm- und Kurzfilmliste. Diese Listen hatten für die medienpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einen unschätzbaren Wert, da sie sowohl zu jedem Thema einen passenden Film auswiesen als auch viele wertvolle Informationen über Bezugsquellen, Stabangaben und Einsatzempfehlungen enthielten. Ein besonderer Clou seiner Karriere war sicher, dem Filmfest München ein Kinderfilmfest unterzujubeln. Und das ist in einer Stadt, in der gerne der Glamour im Mittelpunkt steht, sicher eine große Leistung. Als Mitglieder der Filmstadt München hat er aber auch immer wieder die alternative Filmszene unterstützt und beraten. In den letzten Jahren litt Hans Strobel immer stärker an seiner Parkinson-Erkrankung. In der Nacht zum 24. Dezember 2016 ist Hans Strobel nur wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag verstorben. Am Nachmittag zuvor hatte er noch mit seiner Frau Christel im Münchner Gasteig das Konzert zu dem Film Drei Haselnüsse für Aschenbrödel besucht, das ihr Sohn Frank als Dirigent leitete. Mit Hans Strobel haben wir einen wichtigen Wegbereiter des modernen Kinderkinos und der rezeptiven Medienarbeit verloren.

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    Autor/innen: Günther Anfang
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