Inhalt

aus dem Heft: 2017/05: Self-Tracking. Lifelogging. Quantified Self.
in der Rubrik: thema

Stefan Selke: Digitale Alchemie

Von der Sehnsucht nach Effizienz mittels digitaler Selbstvermessung

Digitale Selbstvermessungstechnologien gelten als Sinnbild rationaler, effizienter und optimierter Lebensführung. Mit den neuen popularisierten Alltagspraxen sind neben vielen Potenzialen jedoch auch zahlreiche Pathologien verbunden. Der Beitrag zeigt, warum Lifelogging, das heißt digitalisierte Lebensprotokollierung verstanden als numerische Erfassungsfähigkeit von Körperzuständen und technisierter Selbstsorge ideal zur herrschenden Präventionslogik passt und welche schleichenden Entgrenzungen von Gesellschaft und Kultur typischerweise damit langfristig verbunden sind.

Literatur

Bröckling, Ulrich (2007). Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Brown, Wendy (2015). Undoing the Demos: Neoliberalism’s Stealth Revolution. New York: Zone Books.

Castel, Robert (1983). Von der Geführlichkeit zum Risiko. In: Wambach, Manfred Max (Hrsg.), Der Mensch als Risiko. Zur Logik von Prävention und Früherkennung. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 51–75.

Coser, Lewis A. (2015). Gierige Institutionen. Soziologische Studien über totales Engagement. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Distelhorst, Lars (2014). Leistung. Das Endstadium einer Ideologie. Bielefeld: transcript.

Egger de Campo, Marianne (2015). Zur Aktualität des Konzepts der gierigen Institution. In: Coser, Lewis A., Gierige Institutionen. Soziologische Studien über totales Engagement. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 166–210.

Franzen, Erich (Hrsg.) (1959). 6. Darmstädter Gespräche: Ist der Mensch messbar? Im Auftrag des Magistrats der Stadt Darmstadt und des Komitees Darmstädter Gespräche. Darmstadt: Neue Darmstädter Verlagsanstalt.

Friedrichsen, Mike/Bisa, Peter (Hrsg.) (2016). Digitale Souveränität. Vertrauen in der Netzwerkgesellschaft. Wiesbaden: Springer VS.

Han, Byung-Chul (2016). Psychopolitik. Neoliberalismus und die neuen Machttechniken. Frankfurt a. M.: Fischer.

Illich, Ivan (1975): Selbstbegrenzung. Eine politische Kritik der Technik. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt.

Jessen, Jens (2016): »Ruiniert Eure Körper!«. In: DIE ZEIT vom 23. März 2016, S. 63.

Kaminski, Andrea (2010). Technik als Erwartung. Grundzüge einer allgemeinen Technikphilosophie. Bielefeld: transkript.

Knoepffler, Nikolaus/Daumann, Frank (2017). Gerechtigkeit im Gesundheitswesen. Freiburg i. Br.: Verlag Karl Alber.

Knorr-Cetina, Karin (1998). Sozialität mit Objekten. Soziale Beziehungen in posttradionellen Gesellschaften. In: Rammert, Werner (Hrsg.), Technik und Sozialtheorie. Frankfurt a. M.: Campus, S. 83–120.

Kucklick, Christoph (2014). Die granulare Gesellschaft. Wie das Digitale unsere Gesellschaft auflöst. Berlin: Ullstein.

Kuhn, Joseph (2014). Daten für Taten. Gesundheitsdaten zwischen Aufklärung und Panopticum. In: Schmidt, Bettina (Hrsg.), Akzeptierende Gesundheitsförderung. Unterstützung zwischen Einmischung und Vernachlässigung. Weinheim/Basel: BeltzJuventa, S. 51–61.

Lengwiler, Martin/Madarász, Jeannette (Hrsg.) (2010). Das präventive Selbst. Eine Kulturgeschichte moderner Gesundheitspolitik. Bielefeld: transkript.

Lessenich, Stephan (2008). Die Neuerfindung des Sozialen. Der Sozialstaat im flexiblen Kapitalismus. Bielefeld: transkript.

Loo, Hans van der/Reijen, Willem van (1997). Modernisierung. Projekt und Paradox. München: dtv.

Luhmann, Niklas (1991). Copierte Existenz und Karriere. Zur Herstellung von Individualität. In: Beck-Gernsheim, Ulrich/Elisabeth, Beck (Hrsg.), Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 191–200.

Marcuse, Herbert (2004). Der eindimensionale Mensch. Studien zur ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. München: Dt. Taschenbuchverlag.

Mathar, Thomas (2010). Der digitale Patient. Zu den Konsequenzen eines technowissenschaftlichen Gesundheitssystems. Bielefeld: transkript.

Nassehi, Armin (2015). Die letzte Stunde der Wahrheit. Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss. Hamburg: Murmann.

Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) (2016). Digitale Welt und Gesundheit. eHealth und mHealth - Chancen und Risiken der Digitalisierung im Gesundheitsbereich.

Schmidbauer, Wolfgang (2015). Enzyklopädie der dummen Dinge. München: oekom.

Schmidt, Eric/Cohen, Jared (2013). The New Digital Age. Reshaping the Future of People, Nations and Business. London: Murray.

Schröter, Klaus (2009). Korporales Kapital und korporale Performanzen in der Lebensphase Alter. In: Willems, Herbert (Hrsg.), Theatralisierung der Gesellschaft. Wiesbaden: Springer VS, S. 163–181.

Schülein, Johann August (1983). Gesellschaftliche Entwicklung und Prävention. In: Wambach, Manfred Max (Hrsg.), Der Mensch als Risiko. Zur Logik von Prävention und Früherkennung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 13–28.

Schulz, Christa/Wambach, Manfred Max (1983). Das gesellschaftsanitäre Projekt. Sozialpolizeiliche Erkenntnisnahme als letzte Etappe der Aufklärung? In: Wambach, Manfred Max (Hrsg.), Der Mensch als Risiko. Zur Logik von Prävention und Früherkennung. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 75–88.

Selke, Stefan (2014). Lifelogging. Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert. Berlin: ECON.

Selke, Stefan (2016). Ausweitung der Kampfzone. Rationale Diskriminierung durch Lifelogging und die neue Taxonomie des Sozialen. In: Selke, Stefan (Hrsg.), Lifelogging. Digitale Selbstvermessung und Lebensprotokollierung zwischen disruptiver Technologie und kulturellem Wandel. Wiesbaden: Springer VS, S. 309–339.

Selke, Stefan (2015). Rationale Diskriminierung. Neuordnung des Sozialen durch Lifelogging. In: Prävention. Zeitschrift für Gesundheitsförderung, 3, S. 69–73.

Stark, Christopher (2014). Neoliberalyse. Über die Ökonomisierung unseres Alltags. Wien: Mandelbaum.

Wolf, Gary (2010). The Data-Driven Life. www.nytimes.com/2010/05/02/magazine/02self-measurement-t.html?_r=0&pagewanted=print [Zugriff: 17.08.2017]

Heft bei Kopaed bestellen

    Autor/innen: Stefan Selke
    seitenanfang | druckansicht