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aus dem Heft: 2018/01 Jugend. Medien. Raum. Identität
in der Rubrik: aktuell

Elisa Eberle: Ab wann vorlesen?

Die positive Auswirkung möglichst frühen Vorlesens auf die kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten von Kindern ist wissenschaftlich bewiesen. Auch neun von zehn Eltern sehen einen Einfluss auf die Kindesentwicklung. Trotzdem beginnen viele von ihnen zu spät mit
dem Vorlesen oder hören zu früh damit auf – so ein Ergebnis der Vorlesestudie 2017. Eine gute und vielseitige Bildung ihres Kindes hält die Mehrheit der befragten Elternteile für wichtig, gefolgt von Höflichkeit, gutem Benehmen (83 %) sowie einem guten Umgang mit Geld (79 %). Die Fähigkeit (71 %) und Freude (61 %) zu lesen sind zudem wichtiger als Kopfrechnen (57 %), Freude an körperlicher Bewegung (56 %) oder technisches Verständnis (38 %). Dreiviertel der Eltern lesen häufig vor, zehn Prozent sogar mehrmals am Tag. Jedes fünfte Elternteil gibt an, seinen Kindern nie vorzulesen. Auch von den 474 Elternteilen, die Vorlesen wichtig finden, kommen 18 Prozent dem selbst nicht nach. Im Schnitt wird Kleinkindern mit zehn Monaten zum ersten Mal vorgelesen. Wann genau die Eltern damit beginnen, hängt stark von ihrem eigenen Bildungsabschluss ab: Während zwölf Prozent der 195 Eltern mit einem höheren Bildungsabschluss angeben, ihrem Kind mehrmals pro Tag vorzulesen und 17 Prozent nie, kommen bei den 141 niedriger Gebildeten der Aufgabe nur sechs Prozent mehrmals am Tag nach und 23 Prozent nie. Besonders hier können laut Studie Buchgeschenke zur Geburt förderlich sein, um den Elternanteil derjenigen, die nie vorlesen, zu verringern. Erhöht wird die Vorlesebereitschaft gegenüber den Kleinen unter sechs Monaten durch ältere Geschwisterkinder: Der Anteil der Eltern, die nicht vorlesen, verringert sich so von 69 auf 55 Prozent. Nur knapp die Hälfte der Eltern beginnt im ersten Lebensjahr des Kindes mit dem Vorlesen, wobei vor allem Bilderbücher mit kurzen Texten (66 %) beliebt sind. Grundlegend fällt Eltern die Auswahl eines geeigneten Buchs in den ersten Lebensjahren des Kindes eher schwerer (21 %) als bei älteren Kindern. Am Vorlesen selbst schätzen Eltern als auch Kinder das gemeinsame Beisammensein. Nahezu alle Eltern erkennen hierbei auch einen positiven Effekt auf die Sprachentwicklung (93 %). Für die repräsentative Studie wurden 523 Eltern mit Kindern im Alter von drei Monaten bis drei Jahren vom Feldinstitut iconkids & youth befragt.

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