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aus dem Heft: 2018/01 Jugend. Medien. Raum. Identität
in der Rubrik: aktuell

Michael Gurt: stichwort YouTube Kids

Die angeblich familienfreundliche Version der Videoplattform YouTube ist seit einigen Monaten für iOS und Android auch in Deutschland erhältlich; in den Vereinigten Staaten existiert sie bereits seit Anfang 2017. Die Zielgruppe der Videoplattform sind primär jüngere Kinder im Kindergarten- bis Grundschulalter. Eltern verspricht das Portal die Lösung vieler Probleme, wenn es um die Nutzung von ‚Bewegtbild‘ im Netz geht, denn die Videoplattform enthält laut Anbieter ausschließlich kindgerechtes Material. Im Gegensatz zu YouTube ist der Zugriff auf Videos eingeschränkt, die Auswahl basiert auf Algorithmen und Nutzerrückmeldungen. Die Vorschläge auf der Startseite werden aufgrund von Suchverhalten und persönlichen Vorlieben der Nutzerinnen und Nutzer zusammengestellt. Anders als beim normalen YouTube sind auch die Oberfläche und die Navigation: Große Schaltflächen, ein helles Design und das vereinfachte Handling sollen jüngere Kinder ansprechen und ihren Fähigkeiten entgegen kommen. Das Angebot ist werbefinanziert: Vor und zwischen den einzelnen Videos laufen Werbeclips, die auf die junge Zielgruppe zugeschnitten sind. Um Einstellungen zum Beispiel bezüglich Sicherheit und Auswahl vorzunehmen, muss eine vierstellige PIN eingegeben werden. Die Zahlen der PIN tauchen ausgeschrieben auf dem Bildschirm auf. Für Kinder, die schon lesen können, macht diese Lösung keinen Sinn; die PIN kann aber auch personalisiert werden. Über die Einstellungen kann zudem ein Timer eingestellt werden, der die YouTube-Nutzungsdauer beschränkt. Trotzdem sollten Kinder nicht alleine vor YouTube Kids gesetzt werden. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf nicht kindgerechte Videos stoßen, wesentlich geringer ist als bei You-Tube, kann dies angesichts der schieren Masse an Videomaterial nicht ausgeschlossen werden. Zumal seit Ende letzten Jahres Meldungen über verstörende Videos kursieren, in dem bei Kindern beliebte Figuren sich Gewalt antun oder anstößige Dinge treiben. Da die Fake-Videos aussehen wie Clips für Kinder, sind sie mittels Algorithmen schwer zu identifizieren. Auch wenn YouTube angekündigt hat, seine Filter nachzubessern: Es dürfte unmöglich sein, YouTube Kids wirklich ‚kindersicher‘ zu machen, ohne sämtliche Inhalte vor der Aufnahme zu überprüfen.

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