Inhalt

aus dem Heft: 2018/03: Orientierung in einer komplexen Welt
in der Rubrik: aktuell

Günther Anfang: Nachruf

Wolfgang Zacharias

"Das Ästhetische lauert immer und überall. Medien sind prinzipiell ästhetisch signiert, irgendwie und sowieso: Sie verbinden, vermitteln zwischen Sinn und Sinnlichkeit, Bildern und Bedeutungen, Sachen und Symbolen, Wahrnehmungen und Werten." Mit dieser Kernaussage in einer merz- Kolumne von Wolfgang Zacharias aus dem Jahr 2005 war sein Verständnis von Medienpädagogik umrissen. Seine Texte zu lesen, war immer ein Abenteuer; sie forderten zum Widerspruch heraus und haben sich doch immer wieder verfestigt. Seine Liebe für den "homo ludens digitalis" war grenzenlos und seine Fähigkeit zu vernetzen genial. Mit dem Tod von Wolfgang Zacharias verlieren wir einen Vordenker für die Sache der ästhetischen und kulturellen Bildung. Bereits in frühen Jahren verfasste er gemeinsam mit Hans Mayrhofer das Standardwerk der kulturellen Bildung "Ästhetische Erziehung". Als junger Student in den 1970er Jahren war dies meine erste Begegnung mit dem Gedankengut der Kulturpädagogik, die der sich ebenfalls formierenden Medienpädagogik gegenüberstand. Später sollten sich diese Begegnungen vertiefen und schließlich in gemeinsame Aktionen münden. Als Gründer des Münchner Netzwerks Interaktiv und als Impulsgeber für zahlreiche medienpädagogische Projekte hat er die medienpädagogische Landschaft in Deutschland entscheidend geprägt. Er verfasste zahlreiche Standardwerke der kulturell-ästhetischen Medienbildung und war schließlich auch Redaktionsmitglied der Zeitschrift merz–medien+erziehung. Mit Wolfgang Zacharias haben wir einen Kollegen, Freund und Inspirator verloren, der die medienpädagogische Diskussion nachhaltig beeinflusst hat. Wir verlieren aber auch einen engagierten Verfechter der Spielpädagogik, der den berühmten Satz Schillers wie kaum ein anderer verinnerlicht hatte und als Maxime vor sich hertrug: "Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt" (Schiller 1793/2000, S.62). In die Gegenwart übertragen, taugt Schiller durchaus auch für das 21. Jahrhundert, für eine, wie es Zacharias in seiner Glosse formuliert "… nachhaltige kulturelle Medienbildung in einer "glokalen" und "virealen" Netzwerkgesellschaft". Dem ist nichts hinzuzufügen. Wolfgang, wir werden dich vermissen!

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    Autor/innen: Günther Anfang
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