Inhalt

Kindheit im Übergang

12. Interdisziplinäre Fachtagung zum Thema Zwischen Kindheit und Jugend in der BLM

Die 12. Interdisziplinäre Tagung am 02.12.2016, veranstaltet vom JFF – Institut für Medienpädagogik und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), beleuchtete den Übergang zwischen Kindheit und Jugend aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Im Fokus standen die Medienvorlieben und das Online-Handeln der Heranwach-senden unter den gegebenen medialen und rechtlichen Rahmen-bedingungen.

Prof. Dr. Bernd Schorb betonte in seiner Einführung, dass Kinder viel-fältige Übergänge zu bewältigen haben und ihnen in dieser Altersstufe mehr und mehr Verantwortung zugeschrieben wird. Martin Gebrande, Geschäftsführer der BLM, hob in seiner Begrüßung hervor, dass die Heranwachsenden auch Unterstützung von ihren Eltern brauchen, um kompetent mit Medien umgehen zu lernen.

Christine Knödler, freie Journalistin, und Michael Gurt (JFF) gaben einen ersten Einblick in die Medienvorlieben und die aktuellen Heldinnen und Helden der 10- bis 14-Jährigen. Prof. Dr. Maria von Salisch (Universität Lüneburg) bezeichnete die gleichaltrigen Peers als "einzigartige Entwicklungshelfer" für diese Zeiten des Übergangs in der Pubertät, die eine wichtige Ressource zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben darstellen. Prof. Dr. Rudolf Kammerl (Universität Erlangen-Nürnberg) stellte heraus, dass das sozio-emotionale Klima in der Herkunftsfamilie einen wichtigen Faktor in dieser Altersspanne bildet. Stephan Dreyer (Hans-Bredow-Institut Hamburg) beschrieb Kindheit als sozial und rechtlich umhegten Schutzraum, in deren Verlauf bis zum Jugendalter die Grundrechte der Heranwachsenden ausgeweitet und gleichzeitig die mandatsmäßigen Schutzrechte der Eltern zurückgefahren werden.

Dr. Ulrike Wagner, Direktorin des JFF, stellte anhand aktueller empi-rischer Ergebnisse dar, welche Rolle die Medien in dieser Altersgruppe spielen und wo die Heranwachsenden Unterstützung benötigen. In der Diskussion forderten die Expertinnen und Experten vor allem mehr Transparenz der Geschäftsmodelle der Medienanbieter. Kinder, Jugendliche, deren Eltern und pädagogisch Tätige sind nur unzureichend in der Lage, Strukturen und Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb der Online-Medien zu erkennen und ihr Handeln entsprechend auszurichten. Idealerweise könnten dazu flächendeckend Workshops für alle Beteiligten angeboten werden. Ergänzend dazu sei es Aufgabe, in Form einer digitalen Staatsbürgerkunde vor allem die Heranwachsenden zu befähigen, die Mechanismen der Medien zu durchschauen und sie damit zu selbst-bestimmter Teilhabe an der Gesellschaft zu befähigen. Letztlich sei das auch Teil eines übergreifenden Konzeptes von Verbraucherschutz.

Schließlich sei aber in Betracht zu ziehen, dass im Prozess des Erwachsenwerdens Grenzen ausgelotet und überschritten werden, Abgrenzungsprozesse stattfinden und eine Emanzipation von den Erwachsenen im Medienhandeln stattfindet. Insofern soll das Entdecken und das Nutzen der Medien nicht nur auf den Schutz der Kinder und Jugendlichen fokussiert werden, sondern es müssen Experimentier-räume bestehen bleiben, um sich selbst auszuprobieren und eigene Positionen zu finden.

Weitere Informationen und alle Vorträge der Tagung: www.id-tagung.de
Die Ergebnisse der JFF-Monitoring-Studie finden sich unter: Schlussreport 2016
    seitenanfang | druckansicht