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Nachrichtenkompetenz wird in der schulischen Bildung vernachlässigt

Ergebnisse einer Studie der TU Dresden

Eine Dresdner Studie, die vor Kurzem auf dem Zeitungskongress des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger in Berlin vorgestellt wurde, bemängelt, dass Nachrichtenkompetenz als Thema in deutschen Schulbüchern unterbelichtet ist und Schülern im Unterricht kaum Medienkompetenz vermittelt wird. Auch die Lehrenden selbst lernen im Studium oft kaum etwas über Nachrichtenkompetenz.

Die Dresdner Kommunikationswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler Lutz M. Hagen, Anja Obermüller und Rebecca Renatus formulieren als Ausgangspunkte der noch unveröffentlichten Studie für die Stiftervereinigung der Presse, dass Menschen Nachrichten zunehmend über soziale Netzwerke beziehen und das Auskennen mit Journalismus und der Qualität von Nachrichten in Zeiten massenhafter Nachrichtenquellen von oft unklarer Herkunft immer bedeutsamer wird.

Untersucht hat das Team Vorgaben durch die Kultusministerkonferenz (KMK) für die Lehrerbildung, Lehrpläne für Schulen aller deutschen Bundesländer sowie Studiendokumente. Die Forscherinnen und Forscher kommen zu dem Ergebnis, "dass Nachrichtenkompetenz in der schulischen Bildung vernachlässigt" werde. So gingen die KMK-Vorgaben auf das Konzept kaum ein, auch werde es in weniger der Hälfte aller 207 untersuchten Dokumente mit Unterrichtsvorgaben für Schulen thematisiert. Nur ein Drittel der Lehrplanvorgaben mit Nachrichtenbezug annoncierten das Mediensystem Deutschlands und seine Rolle für die freie Meinungsbildung. Facebook und andere soziale Netzwerke, schreibt das Autorenteam weiter, kämen "nur in jedem dreißigsten Lehrplan vor".

Immerhin jedes zweite Schulbuch aus den Fächern Deutsch, Geschichte, Ethik und Gemeinschaftskunde in den Ländern Sachsen, Berlin oder Nordrhein-Westfalen geht punktuell auf Nachrichtenmedien und journalistische Inhalte ein. Dabei beschränken sich die Ausführungen aber nur auf wenige Seiten und machen im Durchschnitt allenfalls ein bis zwei Prozent des Textes aus. Auch auf der politischen Ebene wird Nachrichtenkompetenz nicht besonders wichtig genommen: Sowohl in Leitlinien der Kultusministerkonferenz als auch in den Lehrplänen der Bundesländet gibt es bislang nur sehr wenige Vorgaben zur Vermittlung von Nachrichtenkompetenz.

Zudem kritisieren die Dresdner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass schon in der Ausbildung von Lehrern zu wenig auf das Thema eingegangen werde. Nachrichtenkompetenz spiele in Studiendokumenten "praktisch keine Rolle". So ergibt eine ergänzende Befragung von 83 Lehramtsstudierenden, dass nur ein Drittel wusste, dass Journalistinnen und Journalisten in Deutschland keine Lizenz brauchen. Mehr als vier von zehn Befragte nahmen an, Presseberichte über Bundesministerien müssten vor Veröffentlichung von diesen abgenommen werden.

Die Ergebnisse basieren auf einer qualitativen Analyse von Dokumenten der Kultusministerkonferenz (KMK) und Lehrplänen sowie auf einer quantitativen Inhaltsanalyse von insgesamt 339 Schulbüchern der drei wichtigsten Verlage Cornelsen, Klett und Westermann. Im Blickpunkt standen dabei a) die Bundesländer Sachsen, Berlin und Nordrhein-Westfalen, b) die Schulfächer Deutsch, Geschichte, Ethik und Gemeinschafts- bzw. Sozialkunde, c) die Schulformen Realschule und Gymnasium und d) die Klassenstufen 5 bis 10.

Weiter Informationen unter:
tu-dresden.de
www.sueddeutsche.de
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