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Sprachassistenten mischen Familienalltag auf

Warum die neuartigen familiären Begleiter in den medienpädagogischen Blick geraten

Sprachassistenten ziehen mittlerweile in zahlreiche Familienhaushalte ein und erobern sich nach und nach einen festen Platz in der familiären medialen Ausstattung wie auch Nutzung. Die Ära dieser neuen Familienbegleiter begann zwar bereits in den 1960er Jahren, doch seit der Vorstellung von Amazons Echo Alexa im Jahr 2014 wurde der Weg bereitet zur heutigen Smart Speaker Revolution. Seither werden virtuelle Sprachassistenten immer besser, denn sie können nicht nur Sprachbefehle ausführen, sondern kontrollieren unter Umständen das gesamte Smart Home.

Während Siri in den Anfangszeiten der Spracherkennung noch viel Nachsicht unter den erwachsenen Nutzerinnen und Nutzern erntete und auch gern für den einen oder anderen Lacher sorgte, sieht man es derzeit mit der fortgeschritteneren Technologie einer Alexa oder Google Home schon etwas enger. Denn: Sie stehen im Raum, frei zugänglich für jede und jeden, die oder der sich gerade in den gleichen vier Wänden bewegt; so ebenso für Kinder und Jugendliche. Seither schaffen es Sprachassistenten nicht nur über eigenmächtige Partyeinlagen in Abwesenheit der Besitzerinnen und Besitzer in die überregionalen Medien. Sie sorgen auch für Wirbel durch hochwertige Einkäufe Minderjähriger, wie eine Sechsjährige aus Texas durch den via Alexa in Auftrag gegebenen Puppenhauskauf im vergangenen Jahr bewies. Bestürzte Eltern zeigten sich jedoch bereits im Dezember 2016 auf YouTube, als ein zweijähriger Junge mit Alexa spricht und das Gerät daraufhin fragte, ob Pornos, Vibratoren oder anderes Sex-Spielzeug gewünscht seien. Solche und andere Nachrichten zeigen nicht nur technologische Lücken auf, sondern lenken den Blick zunehmend auf einen neuartigen Bedarf an kinder- und jugendschutzrelevanten Maßnahmen. Jüngste Forschungen zur Nutzung digitalen Medien durch Kinder und Jugendliche beziehen aus diesem Grunde zunehmend auch Sprachassistenten in ihre Untersuchungen ein.

Der Monitor Report 2018 der Childwise Agency legt beispielsweise offen, dass bereits 42 Prozent der Schulkinder zwischen neun und 16 Jahren Sprachassistenten zum Erledigen ihrer Hausaufgaben nutzen und ein unreflektierter alltäglicher Umgang mit der Technik tendenziell auch zu sozial bedenklichen Verhaltensweisen führen kann. Die britische Untersuchung mit dem Schwerpunkt "children's media use and purchasing" kommt demnach zu dem Ergebnis, dass Sprachbefehle von Amazon's Alexa, Apple's Siri oder Google Assistant Kindern unter gewissen Umständen gute Manieren abgewöhnen. Janet Read von der University of Central Lancashire rät daher dazu, in Gegenwart der Kinder höflich mit den Geräten zu reden. Vor dem Hintergrund positiver Nachahmungswirkung elterlicher Verhaltensweisen könnten zudem allzu personalisierte Verhaltensweisen der Kinder und Jugendlichen gegenüber diesen Geräten abgeschwächt werden. Voraussetzung sei jedoch, dass auch technologisches Hintergrundwissen vermittelt werde:
"Das Wichtigste, was Kinder verstehen sollten, ist: Sprachassistenten sind keine Menschen, sondern Roboter. Sie müssen auf spezifische Weise mit ihnen sprechen, damit sie verstanden werden. Es ist sehr wichtig, das Wesen dessen, was Technologie ist, ebenso zu verstehen", so das Resümee von Andrew Manches von der University of Edinburgh.

Weitere Informationen unter: childwise.co.uk
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