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aus dem Heft: 2017/03: Hass und Hetze im Netz
in der Rubrik: aktuell

Swenja Wütscher: stichwort Social Bots

Zwischen Trollen als menschliche Akteure und Spam-E-Mails: Social Bots sind Computer­programme, die eine menschliche Identität vortäuschen und darauf ausgerichtet sind, in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter maschinell erstellte Beiträge wie Kommentare, Antworten oder Meinungsäußerungen zu generieren, um Diskurse zu beeinflussen bzw. zu mani­pulieren. Technisch gesehen sind die automatisierten Meinungsmacher mit ­unterstützenden Bots wie Chat Bots oder digitalen Assistenten eng verwandt; sie unterscheiden sich nur in ihrer Zielsetzung. Nicht zu verwechseln sind Social Bots mit den klassischen Bots. Diese Computer­schadprogramme laufen auf vernetzten Rechnern – meist ohne Einverständnis der Eigen­tümerinnen und Eigentümer –, nutzen deren Netzwerkanbindung und lokale Ressourcen sowie Daten; beispielsweise zum Versand von Spam-E-Mails oder DDoS-Attacken.
Social Bots hingegen bergen das Potenzial, das Vertrauen in die Demokratie zu unterlaufen, indem sie unter anderem zur Veränderung der politischen Debattenkultur im Internet beitragen. So lassen sich beispielsweise Fake-Accounts von Social Bots durch einfache Anpassungen leicht skalieren, sodass auf Twitter tausende Accounts geschaffen werden können, die wiederum zehntausende Tweets pro Tag erzeugen. So können Trends, Interessengruppen und Einzelperso­nen manipuliert, Influencer Marketing betrieben und Informationen sowie öffentliche Debatten verzerrt werden, da echte Menschen, die mit dem Social Bot kommunizieren, die Meinungs­roboter als echte Internetnutzende wahrnehmen.
Die technischen Möglichkeiten zur Enttarnung von Social Bots hinken noch hinterher. Dennoch wird längst an wesentlich intelligenteren Entwicklungen gearbeitet, die es Gesellschaft und Politik erschweren, Roboter und einen Follower aus Haut und Knochen voneinander zu entscheiden.

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    Autor/innen: Swenja Wütscher
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