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aus dem Heft: 2018/02: Kita digital: Frühe Medienerziehung
in der Rubrik: aktuell

Swenja Wütscher: stichwort Messenger Kids

Facebook hat eine neue Version seines Messengers veröffentlicht: Messenger Kids, für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Zunächst gibt es die App allerdings nur auf Englisch. Im Vordergrund von Messenger Kids steht das Erlernen des Umgangs mit sozialen Medien, daher liefert die App im Grunde auch nicht weniger Funktionalität als die Standard-Version: Einzel-, Gruppen- und Videochats, 3D-Masken, Sticker und laut Anbieter vorgefiltert kindgerechte GIFs. Die Nachrichten kann auch der reguläre Messenger empfangen. Der Unterschied: Ein Account kann nur von den Eltern über deren Facebook-Account angelegt werden. Auch entscheiden die Eltern darüber, in welchem Umfang das Programm nutzbar ist und bestätigen jeden einzelnen Kontakt. Damit also ein neuer Kontakt wie eine Schulfreundin hinzugefügt werden kann, müssen sich zuerst die Eltern via Facebook adden, um dann ihren Kindern die Erlaubnis hierfür zu erteilen. Klingt kompliziert, ist es auch! Gesendete Nachrichten können nicht gelöscht oder versteckt werden, so dass der komplette Chatverlauf jederzeit für die Erziehungsberechtigten einseh- und nachvollziehbar bleibt. Laut Facebook soll in der App keine Werbung enthalten sein und es würde auch auf die Auswertung der Daten für Werbezwecke verzichtet. Die App ist zwar nicht direkt in das soziale Netzwerk eingebunden, und auch das Mindestalter zur Erstellung eines eigenen Facebook-Profils von 13 Jahren bleibt davon unberührt. Dennoch bedeutet die Nutzung des Messengers eine frühe Bindung potenzieller, zukünftiger Nutzerinnen und Nutzer an die Marke Facebook. Auch löst das Einrichten einer Version für Kinder längst nicht alle Probleme, wie im vergangenen Jahr bei der Videoplattform YouTube Kids, bei der auch nicht kindgerechte Inhalte durchrutschten, erst wieder deutlich wurde. Und auch bei Facebook bleibt die Frage, wie der Konzern Kinder vor potenziellen Gefahren wie Gewaltdarstellung, sexueller Belästigung und Pädophilie bewahren kann, bisher unbeantwortet.

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    Autor/innen: Swenja Wütscher
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