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Hass im Internet: Schon ein Thema für Grundschüler?

Viele Eltern beschäftigt die Frage, ob Hass im Internet schon ein Thema für Grundschüler ist. Das Portal für Kinder internet-abc hat hierfür eine Broschüre erarbeitet, die sowohl Zahlen und Fakten als auch Meinungen miteinbezieht, um sich dem Thema zu nähern.

Sind sie nicht noch zu jung dafür?
Sprachliche Verrohung auf den Schulhöfen, schon in der Grundschule: Lehrer schlagen hier zunehmend Alarm. "Sie hören heute schon von Acht- oder Neunjährigen Begriffe wie 'Hure', 'Spasti', 'Asylant'", so Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbandes BLLV. Als eine von mehreren möglichen Ursachen wird die extrem raue Sprache gesehen, die vielerorts im Internet kursiert – auch "Hate Speech" genannt. Doch kann das zutreffen, wenn gerade viele jüngere Kinder Soziale Medien noch gar nicht intensiv nutzen? Fakt ist: Spätestens mit dem Eintritt in die weiterführende Schule ist das Thema eigenes Smartphone hochaktuell – und damit auch die Sorge, dass die jungen Internetnutzer der teils extremen Sprache im Internet begegnen und diese unreflektiert aufnehmen. Wie kann ich mein Kind vor Hassreden, Vorurteilen und Falschmeldungen im Netz schützen? Kann ich das überhaupt, oder ist die Frage vielmehr: Wie bereite ich mein Kind frühzeitig auf solche Erfahrungen vor? Und was bedeutet in diesem Zusammenhang "frühzeitig"? Themen wie Meinungsfreiheit, Toleranz und wertschätzende Kommunikation sind schließlich auch schon Inhalte für den Grundschulunterricht. Eltern und Pädagogen müssen sich – früher oder später – fragen, wie sie den Umgang ihrer Kinder bzw. Schüler mit dem Netz und die Diskussion über dessen Inhalte gestalten.

Zahlen und Fakten
Auf dem Schulhof wird immer häufiger eine "sprachiche Verrohung" festgestellt, so das WDR. Einer der Gründe könnte die (zunehmend) raue Sprache in den medien sein. Warum die Aufklärung über Hate Speech auch für Kinder sinnvoll ist, zeigt sich aber vor allem im Umgang über zufällige Funde von unangemessenen Inhalten, wenn Kinder und Jugendliche im Internet stöbern und auf Hasskommentare treffen. Laut dem LfM NRW/FORSA medlet nur ein Drittel der 14- bis 24-Jährigen (30%) einen Hasskommentar. Darüber hinaus ist die Begegnung mit unangemessenen Inhalten über das eigene Handy oder das von Freunden nur schwer zu verhindern (vgl. KIM-Studie 2016). Bereits rund 18% der 8- bis 9-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone, bei den 10- bis 11-Jährigen sind es rund 43% und bei den 12- bis 13-Jährigen rund 61%. Andreas Zick, Konfliktforscher an der Universität Bielefeld, sieht folgende Motive für Hate Speech im Internet: Wunsch nach Zugehörigkeit; Erlangen/Steigern von Einfluss, Macht und Kontrolle; Schaffen von einfachen Erklärungen, um die Welt (besser) zu verstehen; Selbstwertsteigerung. (vgl. Schau hin).

Besser schützen oder schon früh sensibilisieren? Das sagt der Internet-ABC-Experte

Wo kommt Hate Speech vor?
Michael Schnell: Hate Speech kann überall dort auftreten, wo Personen im Internet ihre Meinung schreiben oder eigene Inhalte hochladen können: z.B. in Sozialen Netzwerken wie Facebook, bei Youtube (Kommentare unter Videos oder eigene Videos) oder unter Beiträgen von Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsendern.

Welche Rolle spielen dabei so genannte Fake News?
Oft sehen solche Meldungen auf den ersten Blick seriös aus. Aber: Mit Fake News (Falschmeldungen) wird versucht, einzelne Personen oder ganze Gruppen mit Absicht in ein falsches Licht zu setzen, ihnen Meinungen oder Taten zu unterstellen, die sie so nie geäußert oder vorgenommen haben. Weisen Medien auf diesen Missstand hin, werden sie als Teil der 'Lügenpresse' bezeichnet, die Fakten absichtlich verschweige.

Was kann Hate Speech bewirken?
Hate Speech kann einzelne Gruppen herabsetzen, aber auch einzelne Personen fertigmachen. Manche Personen halten den Druck, der durch Beleidigungen und Falschmeldungen erzeugt wird, nicht aus und ziehen sich aus der Öffentlichkeit zurück. Auch die Wirkungen dieser Hasskommentare und Fake News auf die "Konsumenten" dürfen nicht unterschätzt werden: Gerade Kinder und Jugendliche befinden sich noch in einem Prozess der Meinungsbildung: Sie müssen sich ihre Meinungen zu einzelnen Themen noch grundlegend aneignen. Daher sind sie durch Hate Speech und Fake News u.U. verunsichert, teilweise auch verängstigt. Wie sollten Kinder damit umgehen, wenn sie solche Sachen lesen?
Kinder kennen aus dem Alltag und aus ersten Erfahrungen im Internet Schimpfwörter, Beleidigungen, 'Lügengeschichten' und eventuell auch Cybermobbing. Sie sind sich aber nicht immer der Folgen solcher Taten bewusst. Diese Folgen sollten Eltern und Lehrkräfte mit ihnen besprechen. Manche Beleidigungen oder Herabsetzungen sind allerdings nicht leicht zu erkennen, gerade wenn es sich um seriös wirkende Fake News handelt. Wichtig ist hierbei, dass Kinder sich stets vorsichtig im Netz bewegen sollten: Texte, Filme oder Bilder dürfen nicht vorschnell weitergeschickt oder kommentiert werden, auch wenn man dazu aufgefordert wird. Und wenn das Kind Inhalte nicht sofort versteht oder einordnen kann, sollte das offene Ohr der Eltern in der Nähe sein.

Was können Eltern gegen Hate Speech unternehmen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, gegen Hate Speech vorzugehen: Löschen, Blockieren Melden. Aber an dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, was Eltern für ihren Nachwuchs tun können: Sie sollten ihre Kinder für das Thema Hate Speech sensibilisieren. Wie im Alltag gilt es auch für das Internet, einen respektvollen und wertschätzenden Umgang einzuhalten und zu trainieren. Streit ist auch im Internet okay, aber er sollte nach Möglichkeit fair und konstruktiv ablaufen, ohne Beleidigungen und Verletzungen.

Michael Schnell ist Redaktionsleiter bei Internet-ABC.


Checkliste: Darauf sollten Eltern achten

  • Vor allem Grundschulkinder beaufsichtigen, mit älteren Kindern Medienzeiten festlegen!
  • Bei jüngeren Kindern ggf. eine Kinderschutz-App auf das Smartphone laden und den Kinderbrowser über www.kinderserver-info.de installieren, um unangemessene Inhalte zu vermeiden!
  • Bei rohem Sprachgebrauch nachfragen: Wo hat das Kind den Begriff / die Ausdrucksweise her?
  • Keine Scheu haben, hetzerische Begriffe / Äußerungen und deren Zusammenhänge zu erklären!
  • Ggf. auch das Gespräch mit der Schule / dem Klassenlehrer suchen und auf Auffälligkeiten beim eigenen Kind hinweisen.
  • Kinder nur mit altersgerechten Apps spielen lassen und diese ggf. gemeinsam auswählen!
  • Passwortsperren in den Einstellungen einrichten, ggf. InApp-Käufe deaktivieren!

Wie man Fake News erkennt
Die so genannten Fake News, sowie deren Bewertung und Einordnung stellen (junge) Internetnutzerinnen und Nutzer vor neue Herausforderungen. Um bewerten zu können, wie glaubwürdig Quellen sind und wie falsche Meldungen oder Lügen im Netz enttarnt werden können, hat der internationale Verband der bibliothekarischen Vereine und Institutionen (IFLA) eine Infografik entwickelt. Dieses Material bietet acht kurze Tipps, die sich Nutzer beim Bewerten eines Beitrags stellen können (Quelle: Medienscouts NRW). "Fake News Bingo" spielen: Wer das Thema "Falschmeldungen erkennen" unterhaltsam angehen möchte, kann zusammen mit Kindern "Fake News Bingo" spielen (Quelle: SaferInternet.at). Eine vorgegebene Bingokarte listet die typischen Merkmale von Fake News in den Sozialen Medien auf. Als da sind: Bilder, die mit Pfeilen und roten Kreisen versehen sind, eine aufgeregte Sprache ("OMG! Das kann ich nicht glauben!"). Panikmache ("Bald kommt das auch zu uns"). Oder die häufige Verwendung des Begriffs "Hirn" in allen möglichen Variationen ("hirnlos", "hirnrissig"). Und vieles mehr. Aus dem Spaß, diese Merkmale in Posts zu erkennen, kristallisiert sich die Erkenntnis über die Funktionsweise und Absicht von Fake News heraus.

Das I-ABC-Special zum Thema Hate Speech ist online über www.internet-abc.de/ts-hate-speech abrufbar
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