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Mimikforschung im Kinosaal

Neue Technologie zur Resonanzermittlung beim Kinopublikum

Die Resonanz eines Kinofilms wird in der Regel über Besucherzahlen und Einnahmen der Kinobetreiber ermittelt. Diese indirekte Form der Resonanzermittlung schließt jedoch keine direkten emotionalen Reaktionen des Kinopublikums auf das Filmgeschehen mit ein. Technische Weiterentwicklungen sollen zukünftig diese Lücke schließen und die Erstellung eines umfassenden Reaktionsbildes während der Rezeption ermöglichen.

In Zusammenarbeit mit der Abteilung Disney Research entwickeln Forscherinnen und Forscher des California Institute of Technology (Caltech) derzeit eine selbstlernende Software, welche sich der Prinzipien der Mimikforschung bedient und vor allem in Kinosälen zum Einsatz kommen soll. Ziel ist es, mithilfe dieser neuen Technologie komplexe Reaktionen des Kinopublikums zu ermitteln und einordnen zu können und somit gezielte Aussagen über die Zustimmung des Kinopublikums zum Filmgeschehen zu treffen.
Das Factorized Variational Autoencoding (FVAE) stellt ein neuartiges System zur Gesichtserkennung dar, welches mithilfe von Algorithmen und Infrarot-Kameras jede einzelne Gesichtsregung des Kinopublikums scannt. Die ermittelten Werte werden in Echtzeit interpretiert und so weitere Vorhersagen über die generelle Resonanz des jeweiligen Kinofilms getroffen.
Neben technischen Herausforderungen werden die Entwicklerinnen und Entwickler von FVAE mit dem komplexen Wissensgebiet der Mimikforschung konfrontiert. Insgesamt 26 Gesichtsmuskeln sind für den mimischen Ausdruck eines Menschen verantwortlich. Deren Interpretation wird zudem von einer Vielzahl kultureller Unterschiede begleitet. FVAE befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase. Erste Praxis-Tests konnten bereits durchgeführt werden. Dafür wurde ein Kinosaal mit 400 Plätzen mit FVAE-Systemen ausgestattet und bei insgesamt 150 Filmvorführungen, unter anderem von Das Dschungelbuch und Star Wars: Das Erwachsen der Macht, eingesetzt. Die Gesichter des Kinopublikums wurden gescannt und deren Gesichtsausdrücke ausgewertet.

FVAE wird aus verschiedenen Perspektiven als ein interessantes und zukunftsfähiges Model betrachtet. Es können somit neue Marktforschungsstrategien im Bereich der Kinoindustrie ermöglicht werden. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt wäre auch eine Weiterentwicklung der Rezeptionsforschung von Kindern und Jugendlichen denkbar. In welchem Maße diese neue Technologie in Zukunft in den Kinosälen präsent sein wird, bleibt abzuwarten.

Mehr Informationen finden Sie unter www.caltech.eu.
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